Tagung der Schule Urdorf zum Thema Heterogenität


Mittwoch, 8. November 2006

Am Mittwoch, 8. November, hatten alle Urdorfer Schüler den ganzen Tag frei. Grund dafür war eine gemeinsame Tagung unserer Schule Urdorf. So besammelten sich um 8 Uhr im Singsaal Moosmatt alle, die in irgend einer Funktion von der Schule angestellt sind - von der Lehrerschaft bis zur Psychologin, von den Therapeutinnen bis zu den Hauswarten, von der Sozialarbeiterin bis zum Mitarbeiterteam der Schulverwaltung. Sie alle befassten sich mit den Thema "Umgang mit Heterogenität".

Zum Einstieg hielt Geri Thomann ein Referat zum Tagungsthema. Der Redner war von 1983 bis 1993 als Heilpädagoge an unserer Schule tätig und hat seither im Bildungswesen verschiedene verantwortungsvolle Funktionen ausgeübt. Thomann machte den Zuhörenden bewusst, wie komplex der Themenbereich Heterogenität ist. (Heterogen heiss uneinheitlich und ist das Gegenteil von homogen. Auf die Schule bezogen, umschreibt Heterogenität die unterschiedlichen Voraussetzungen der Lernenden.)


Beleuchtete das Thema Heterogenität:
Geri Thomann


Schon allein die Menge der Internet-Einträge über den Umgang mit Heterogenität an der Schule - rund eine halbe Million - zeigt laut Thomann, wie rege heute die Diskussion zu diesem Thema geführt wird. Der Referent listete in der Folge auf, worüber im Zusammenhang mit Heterogenität denn so alles diskutiert werden kann: über eine Durchmischung der Lehrerschaft etwa und natürlich über altersdurchmischtes Lernen. Er sprach aber auch über widersprüchliche Erfahrungen und pädagogische Glaubenskriege. Auch zeigte er die gesellschaftlichen Tendenzen der letzten 40 Jahre bezüglich der Bildung auf - von der Differenzierung der 60er- und 70er-Jahre , die im Kanton Zürich zu einer Dreiteilung der Oberstufe führte, über die Integration in den 80er- und 90er-Jahren, während derer eher wieder die Durchmischung angestrebt wurde, bis zu den heutigen Tendenzen, wesentliche Ziele zu standardisieren, d.h. über Grenzen hinweg gemeinsame Ansprüche zu formulieren.
Geri Thomann sprach auch von der zunehmend belastenden Sisyphus-Aufgabe, "Einheit in einer sich individualisierenden Gesellschaft zu stiften, Homogenität unter Integration aller Heterogenitäten zu schaffen, für Beständigkeit im Strudel zu sorgen und gleichzeitig optimal für diesen Strudel vorzubereiten". Da sei oft auch das Scheitern nicht weit, doch lasse sich damit durch alltägliche Scheiterbewältigungs-kompetenz auch lustvoll umgehen.

Nach dem anregenden Einstiegsreferat hatten alle Gelegenheit, sich selber in die Diskussion einzubringen, und zwar in jeweils zwei von insgesamt 24 Arbeitsgruppen. Im Bereich "Unterricht" wurde etwa über Themen wie Umgang mit multikulturellen Situationen, mit Begabungsunterschieden oder mit unterschiedlichen Sozialkompetenzen diskutiert. Im Bereich "Organisation Schule" gehörten die integrierte Sonderschulungsform, die gegliederte Sekundarschule, die Heterogenität von Schulhauskulturen sowie auch die Grundstufe zu den Themen, und im Bereich "soziales und gesellschaftliches Umfeld" ging es um die Unterschiede des sozial-kulturellen Umfeldes der Schülerinnen und Schüler sowie um den unterschiedlichen Erwartungsdruck der Eltern.


In 24 Gruppen wurde eifrig diskutiert


Die Schule Urdorf als Grossfamilie beim Mittagessen

Die einzelnen Arbeitsgruppen formulierten jeweils in Kurzform Ansichten, Forderungen oder Ziele, die zum Abschluss der Tagung im Plenum vorgestellt wurden. Dabei zeigte es sich erwartungsgemäss, dass viele Themen sehr kontrovers diskutiert wurden. Geri Thomann, der die Auswertung im Plenum moderierte, zog am Schluss folgendes Fazit: Die einzelnen Gruppen haben eine Menge von Leitsätzen formuliert, die für die weitere Bearbeitung im Ressort Schulentwicklung von wesentlicher Bedeutung sein werden. Es wurden aber auch zahlreiche Spannungsfelder offengelegt. Weiter nannten etliche Diskussionsgruppen wichtige Bedingungen für gewisse Weiterentwicklungen, und zu guter Letzt stellte Thomann mit unübersehbarer Freude fest, dass an der Schule Urdorf viel Tatkraft vorhanden ist, gewisse an der Tagung andiskutierte Themen weiter zu verfolgen und unter Umständen auch Taten folgen zu lassen.

Toni Blaser